Heilung objektiv betrachtet

„Eigentlich ist das doch jetzt gar nicht so schlimm.“
Kennen tun wir das wahrscheinlich alle, wir fühlen uns hundeelend mit einem Erlebnis oder einer Situation und gleichzeitig sagt unser Verstand oder der Nachbar oder Freunde oder Familie oder alle zusammen dann, dass das doch alles eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie wir das gerade fühlen.
Und nun?
Und was, wenn die Gefühle entgegen aller Vernunft auch nach längerer Zeit einfach nicht besser werden wollen?
Wenn trotz allem „nach vorne Schauen“ der Schmerz und der Schock nicht locker lassen mag?
Was, wenn irgendwann nicht mehr nur die Seele trauern, sondern auch noch der Körper krank wird?
Und das obwohl doch eigentlich alles gar nicht so schlimm war!?

Als Heilerin interessiert mich die objektive Situation hinter Gefühlen herzlich wenig. Mich interessiert lediglich, wie meine Klienten ihre Situation wirklich sehen, fern von allen gesellschaftlichen Meinungen dazu. Das herauszufinden ist nicht immer ganz einfach, gerade, wenn schon viele Menschen Ihre Meinung zu einer Situation abgegeben haben. Heilungsprozesse sind immer subjektiv und individuell.

Unser Körper-Seele-Geistsystem ist zunächst nur dafür da unser eigenes Leben zu schützen, zu achten und zu ehren. Wir alle haben ganz eigenen Erfahrungen, eine ganz eigene Geschichte, einen eigenen Lebensplan und eine ganz eigene Sicht auf diese Welt, die aus unseren Erfahrungen einerseits und dem, was unsere Seele bereits mit auf diese Erde gebracht hat resultiert. Dem entsprechend reagieren wir auch auf neue Ereignisse in unserer Umwelt nicht objektiv sondern subjektiv, im Einklang mit dem inneren Wissen, wie wir etwas bewerten müssen, um uns selbst am besten, entwickeln, erhalten und schützen zu können. Wenn ein Gefühl nicht nachlässt, haben wir irgendetwas sehr wichtiges für uns selbst daran noch nicht verstanden.
Die Stimme und Botschaft unserer Seele, was zur Heilung nötig ist, hören wir über die Gefühle und Intuition. Wenn wir den Verstand oder die Meinung anderer überbewerten, knocken wir uns selber aus. K.O. Unser sonst so fähiges komplexes Selbsterhaltungs-, Heilungs- und Entwicklungssystem gerät ins Schleudern, weil die Kommunikations- und Verarbeitungswege blockiert sind.

Dazu kommt – Wir können nichts verarbeiten, was für uns nicht existiert.
Für uns existieren nur unsere eigenen Gefühle und nicht die Meinung anderer dazu.
Wenn wir Heilung versuchen indem wir uns den Bewertungen anderer angleichen, hören wir auf uns selbst zu heilen und versuchen stattdessen den Nachbarn, die Familie, die Freunde, die Gesellschaft etc. stellvertretend zu heilen oder anzunehmen. Doch das ist nicht unser eigener Weg und somit nicht existent, weil unsere eigene Seele nunmal anders fühlt und plant. Ein Außenstehender kann dich entweder genau so sehen und fühlen, wie du bist und fühlst und dich damit annehmen oder dich klein oder weg reden, weil auch er seiner Seele nicht zuhört und die großen „Kleinigkeiten“ bei sich selbst übersieht.

So oder so – es läuft drauf raus, dass du dich ernst nimmst, wenn du heilen willst. Mit allem. Von der unwichtigsten Kleinigkeit angefangen. Dann heilst du und die Umgebung heilt automatisch mit, wenn sie willig ist, weil sie bei dir sehen und lernen kann, wie es geht. Wer andere heilen will, muss bereit sein selbst zu heilen.
Wenn Kleinigkeiten für dich groß sind, dann weil es wichtig und richtig ist, dass sie für dich groß sind und Beachtung
brauchen.

Bestenfalls zeigt die Seele den Weg und der Verstand hilft dabei die Seele zu verstehen und die persönlich wichtigen Dinge in dieser Welt umzusetzen. Teamwork.
Heilung beginnt da, wo eigene Gefühle in den Alltag mit allen Facetten integriert und nicht mehr in Frage gestellt werden.
Heilung beginnt da, wo wirkliches Verständnis für sich selbst sein darf.