Das stumme Gespräch

Ich sitze gerade im Wartebereich einer Klinik, um eine Verletzung behandeln zu lassen, als sich direkt neben mich zwei Damen setzen. Ein etwas jüngerer Mann, der mir schon vorher gegenüber saß, rückte näher, da er die beiden offenbar kannte und auf sie gewartet hatte. Ein lautloses Gespräch begann. Gestik und Mimik gewannen mehr und mehr an Intensität. Die offenbar stummen Damen waren mit dem Herrn schon bald in einer stummlautstarken Diskussion. Hin und wieder war ein klatschen mit den Händen zu hören oder ein Schnalzen. Obwohl ich keine Gebärdensprache spreche, verstand ich. Vielleicht nicht jedes Detail, aber die Emotion. Die Wut, die Verzweiflung und die Hilflosigkeit.
Bald kam ein Arzt, rief sie auf und nahm sie mit.
Ich blieb sitzen.
In Gedanken lauschte ich noch einmal der gerade erlebten Situation nach.
Menschen sagen uns so viel über sich selbst. Worte sind dabei oft gar nicht nötig. Wenn wir offen sind, können wir allein über Mimik und Gestik so viel über unser Gegenüber erfahren, wie es ihm geht, was es braucht. Wir sollten uns öfter die Zeit nehmen die „Stummen“ zu hören, das was zwischen den Zeilen steht, das was Menschen nicht sagen oder aussprechen können, denn das ist es, was ihre Welt bewegt.