Das stumme Gespräch

Ich sitze gerade im Wartebereich einer Klinik, um eine Verletzung behandeln zu lassen, als sich direkt neben mich zwei Damen setzen. Ein etwas jüngerer Mann, der mir schon vorher gegenüber saß, rückte näher, da er die beiden offenbar kannte und auf sie gewartet hatte. Ein lautloses Gespräch begann. Gestik und Mimik gewannen mehr und mehr an Intensität. Die offenbar stummen Damen waren mit dem Herrn schon bald in einer stummlautstarken Diskussion. Hin und wieder war ein klatschen mit den Händen zu hören oder ein Schnalzen. Obwohl ich keine Gebärdensprache spreche, verstand ich. Vielleicht nicht jedes Detail, aber die Emotion. Die Wut, die Verzweiflung und die Hilflosigkeit.
Bald kam ein Arzt, rief sie auf und nahm sie mit.
Ich blieb sitzen.
In Gedanken lauschte ich noch einmal der gerade erlebten Situation nach.
Menschen sagen uns so viel über sich selbst. Worte sind dabei oft gar nicht nötig. Wenn wir offen sind, können wir allein über Mimik und Gestik so viel über unser Gegenüber erfahren, wie es ihm geht, was es braucht. Wir sollten uns öfter die Zeit nehmen die „Stummen“ zu hören, das was zwischen den Zeilen steht, das was Menschen nicht sagen oder aussprechen können, denn das ist es, was ihre Welt bewegt.

Die Glockenblumen


Die kleine Glockenblume nickte, vorsichtig sie vom Boden blickte, hinauf ins Licht.

Im Glockenblumenschirmchen munter,
die Elfen spieln und feiern drunter
und regnet es so wird nichts nass,
geschützt haben Sie weiter Spaß,
und schlafen wohl behütet ein
im Glockenblumenzauberheim.

Drum sei stehts achtsam zu den Pflanzen,
dann siehst du manchmal welche tanzen.
Gar freundlich helfen diese Wesen,
den Garten pflegen und verlesen.
Und bist du mal in Not und krank,
helfen sie dir, Gott sei Dank!

Doch knicke keine Glockenblum‘,
denn so wie sie dir Gutes tun
so Ehre sie und ihr zu Haus‘,
sonst ist es mit der Gunst schnell aus
und Unheil wird in deinem Heim
genau so wie in Ihrem sein.

Copyright by Sofie Dreßler