Samhain – Wenn die Schleier dünn werden


Es ist wieder soweit. Die Schleier in die Anderswelt werden dünn. Unsere Ahnen kommen zu einem liebevollen Besuch vorbei.
Im Chaos zwischen den Jahren (30.10 – 1.11) besteht kein Unterschied zwischen der Welt der Toten und der Lebenden, so glaubten die Kelten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fanden im alten Volksglauben ab diesen Tagen gleichzeitig statt.
Die Kelten unterteilten das Jahr in ein Sommerhalbjahr „Jahrestag“ und ein Winterhalbjahr „Jahresnacht“.
Mit „Samuin“ oder auch „Samhain“ begann am ersten November das Jahr der Kelten. Der Winter und die Jahresnacht zogen ein. Das Jahr fing also mit der Nacht an. Denn nach keltischer Auffassung wurde der Tag aus der Nacht geboren. So musste die Dunkelheit dem Licht vorausgehen und der Tod dem Leben. Der Jahrestag wurde genutzt, um altes abzuschließen und neues anzufangen. Man bedankte sich bei der Erde für die Gaben und das Licht aus dem Sommerhalbjahr. Es war Zeit für Bitten an Götter und Ahnen und Gebete für ein fruchtbares neues Jahr. Die Ahnen hatten nach altem Glauben einen Anteil an der Ernte und so opferte man Ihnen auch einen Teil derselben. Die Natur war Orientierung und zeigte im Herbst das Abschiednehmen und Loslassen. Wichtiger Bestandteil des Jahrestages war es deshalb die Toten mit einzubeziehen. Man dankte ihnen und entzündete Feuer auf den Ahnengrabhügeln. In einer Prozession wurde das Licht zu den Verstorbenen auf die Gräber getragen. Für jeden Toten eine Kerze. Denn das Licht brachte das Leben. Auch das Weiterleben nach dem Tod. In manchen Gegenden war es brauch am Vorabend alle Feuer zu löschen und sie zum Zeichen der Wiedergeburt neu zu entzünden. Schließlich war man auf die Ankunft der Seelen vorbereitet. Man heizte die Stuben, dass sie sich aufwärmen konnten, deckte die Tische für sie mit und teilte Speiß und Trank. Stücke des Festmahls wurden für die Toten ins Feuer geworfen. So verbrachte man den Tag und die Nacht mit Ihnen und erhielt wichtige Hinweise für eine gute Zukunft.
Im christlichen Brauchtum sind die Rituale teilweise erhalten geblieben. Der Gräbergang an Allerheiligen lässt sich etwa darauf zurück führen.

Persönlich finde ich es schade, dass bei vielen der Kontakt mit den Toten oft mit Angst besetzt ist. Ursache sind sicher auch die vielen Schauermärchen. Aus einer inneren Gewissheit kann ich sagen, dass Verstorbene nicht daran interessiert sind uns zu schaden. Ein lieber Familienangehöriger wird auch nach seinem Tod gewiss nicht zum Zombie. Falls wir jemanden wirklich einmal nicht bei uns haben wollen, genügt es das einfach zu sagen. So viel Willen und Selbstbestimmung ist uns zugestanden. Unserer Bitte wird nachgekommen.

Den Samhain-Tag begehe ich selbst schon seit einigen Jahren mit meinen eigenen Ritualen. Ich freue mich darauf meine verstorbenen Lieben besonders nah bei mir zu spüren. Den Tisch decke ich mit einem Gedeck mehr, dass auch die Ahnen ihren Platz haben. Ich spreche mit ihnen und genieße ihre Anwesenheit. Eine Kerze bringe ich auch auf die Tiergräber meiner verstorbenen Haustiere in den Garten nach draußen. Im weiteren Tagesverlauf lasse ich mich von meinem Gefühl leiten.

Triste Stimmung an Allerheiligen auf dem Friedhof und an den Gräbern im Gedenken an die Verstorbenen – wieso?
Sie sind doch gerade an diesem Tag alle da und stehen bei euerem Besuch direkt neben euch.

2 Kommentare zu “Samhain – Wenn die Schleier dünn werden

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