Sexueller Missbrauch und die Glaubwürdigkeit von Erinnerungen

Seit Jahren mache ich mich auch in meiner Freizeit stark für Kinder und Frauen, die sexuell missbraucht wurden. Jungen sind ebenfalls betroffen. Ich beziehe Stellung zum Thema, weil es wohl eines der größten Probleme unserer Zeit ist. Auch in dieser Region. Was organisierte Ausbeutung von Kindern, Gewalt und sexuellen Missbrauch betrifft fühlen sich die Täter hier pudelwohl, weil keiner den netten Nachbarn der ländlichen Idylle dafür fähig hält oder fähig halten will. Wie lange soll das noch so bleiben!? Wie lange wollen wir Tätern diesen Raum noch unangetastet zur Verfügung stellen!? Jedes 4. Mädchen und jeder 7. Junge sind davon Betroffen. Die Dunkelziffer ist riesig. In jeder Schulklasse befindet sich mindestens ein Kind, das sexuellen Missbrauch erlebt. D.h. jeder von uns kennt Betroffene. Nicht immer müssen offensichtliche Verhaltensauffälligkeiten darauf aufmerksam machen und es braucht viel Feingefühl die subtilen Botschaften überhaupt zu hören und vor allem auch die Bereitschaft und Offenheit für die Thematik. Kein Opfer will sich den Schmerz und den zusätzlichen Verrat antun, dann auch noch von den Menschen, von denen es sich Hilfe erhoffte, in Frage gestellt zu werden, sobald es sich öffnet. Im Schweigen bleibt wenigstens die Hoffnung darauf, dass geholfen worden wäre, wenn jemand gewusst hätte…
Sobald sich ein Opfer mit seiner Geschichte öffnet, ploppt oft wie automatisch auch die Frage nach der Glaubwürdigkeit auf, selbst wenn es nicht um eine Aussage für Polizei und Staatsanwalt geht. Bei den überwältigenden Fallzahlen und der noch viel größeren Dunkelziffer, wie viele von den Opfern sollen da noch lügen, wenn endlich das Schweigen gebrochen wird!? Entgegen dem Bild aus den Medien, ist die Zahl verschwindend gering. „Frauen würden die Geschichte oft nutzen, um bestimmte Ziele zu erreichen oder Aufmerksamkeit zu erregen!“, so hört man immer wieder. Menschen, die mir mit diesem Argument entgegen treten, entgegne ich dann immer: „Haben Sie selbst schon einmal versucht eine Traumatherapie zu finden oder jemanden der Ahnung hat und Ihnen wirklich mit diesem Thema helfen kann? Haben Sie versucht jemanden zu finden, der Ihnen mit diesem Thema einfach nur zuhört – egal ob als Helfender oder als Opfer?“ Aufmerksamkeit bekommt man mit dem Thema bestimmt nicht, dafür ließen sich bessere Themen finden. Allzu oft wird versucht die Überlebenden ins Schweigen zurückzudrängen, weil niemand Ihre Geschichte hören will und Vertraute vor Überforderung die Flucht ergreifen. Professionelle Hilfe von Ärzten, Psychotherapeuten und Facheinrichtungen ist so rar, dass es eine Mammutaufgabe ist die richtige Unterstützung zu finden, die oft Jahre in Anspruch nimmt, bevor geholfen wird!
Nach Studien dauert es im Durchschnitt 7 Jahre, bis Betroffene mit komplexen Traumafolgestörungen, mit den oft verschiedensten psychischen und physischen Symptomen richtig diagnostiziert und behandelt werden!

Oft sind betroffene Kinder übermäßig angepasst oder scheinen gut im Leben zu stehen und die Familien in denen es geschieht leben nach außen die Fassade der normalen gut bürgerlichen Familie. Charismatisch, liebevoll, beliebt.
Was sich hinter der Fassade abspielt bemerkt so leicht keiner.
Kinderseelen retten sich vor dem unausweichlichen Grauen oft indem Sie es „vergessen“.
Ein Schutzmechanismus der Seele.
Im Alltagsbewusstsein taucht die Gewalt, die Ihnen angetan wurde, nicht mehr auf.
Würde man diese Kinder fragen, ob Ihnen etwas zugestoßen ist oder es Schwierigkeiten in der Familie gibt, würde sie es allzu oft verneinen oder von Bilderbuchfamilien erzählen.
In der Psychotraumatologie nennt sich dieser Vorgang „Dissoziation“.
Durch einen Auslösereiz, der an das ursprüngliche Trauma erinnert können die Erinnerungen an den sexuellen Missbrauch auch erst nach Jahren oder Jahrzehnten wieder zum Vorschein kommen. Manchmal gelangen zunächst nur Splitter der abgespaltenen Erfahrung zurück ins Bewusstsein wie Puzzelstücke. Plötzlich auftauchende Gefühle, Körperempfindungen ein kurzes Bild, das nicht erklärt werden kann oder in der aktuellen Situation keinen Zusammenhang zu haben scheint treten auf.
In der Praxis erlebe ich oft, dass auch Betroffene an sich selbst zweifeln und sich fragen, ob Sie verrückt werden und sich das alles vielleicht doch nur einbilden. Das tun Sie nicht! Es geht dann darum sich gemeinsam behutsam dem inneren Erleben anzunähern. Bei starken inneren Zweifeln macht es Sinn sich alles unvoreingenommen gemeinsam anzusehen und die Klientin irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt selbst entscheiden zu lassen, was davon für Sie stimmt und wie, ähnlich einem Puzzelspiel in dem das Gesamtbild erst am Schluss erkennbar wird und einzelne Puzzelstücke von Zeit zu Zeit neu platziert werden, weil Ihre Lage noch nicht stimmte. Was bleibt ist, dass Sie eine wichtige Botschaft zum Gesamtbild beitragen, dass man nur herausfinden kann, wenn man sich die Stückchen anschaut. Traumatische Erinnerungen haben einen sehr spezifischen Charakter, der sie von normalen Alltagserinnerungen unterscheidet und sie glaubhaft macht.
Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass ich die Menschen die zu mir kommen ernst nehme! Ich glaube Ihnen und den Bildern und eindrücken Ihrer Seele! Mit aller Offenheit für die persönliche Problematik und das Ende der Reise, bin ich gerne bereit diese Menschen dabei zu unterstützen sich selbst zu finden.
Ich sage den Menschen, dass ich froh bin und mich für Sie freue, wenn sich nach der Betrachtung der inneren Bilder und Emotionen herausstellt, dass alles doch nicht stimmte und es doch nur ein böser Alptraum war.
Es ist bisher noch nie passiert!

Die Täterlobby schläft nicht und versucht immer wieder die Opfer in Ihrer Glaubwürdigkeit zu untergraben. Es wird beispielsweise behauptet, dass man sich an derart einschneidende Ereignisse immer erinnern würde oder später auftauchende Erinnerungen nur von Therapeuten eingeredet wurden.
Studien, sowie die traumaphysiologische und -psychologische Forschung beweisen das Gegenteil.
Zwei darf ich hier kurz aufführen.
In einer Studie von Linda Mayer Williams wurden 129 Kinder in der Notaufnahme untersucht und behandelt, nachdem Sie eindeutig sexuell missbraucht worden waren. Jahre später wurden Sie ausfindig gemacht und interviewt. 38 % hatten den sexuellen Missbrauch vollständig vergessen, obwohl gerade diese Frauen den höchsten Wahrscheinlichkeitsgrad aufwiesen sich zu erinnern, weil er behördlich angezeigt worden war.
Meiner Erfahrung nach vergessen Kinder oft bereits in dem Moment in dem es passiert, weil Sie es anders nicht ertragen könnten.
Dr. Judith Herman und Emily Schatzow untersuchten 53 Frauen, die sich erst als Erwachsene daran erinnerten sexuell missbraucht worden zu sein. Bei 74 % der Frauen ließen sich unabhängige Bestätigungen für den Missbrauch finden.

Wenn bei Ihnen immer wieder Fragmente auftauchen, die Sie nicht zuordnen können, plötzliche überschießende Emotionen oder Körperreaktionen, für die Sie aktuell keine Erklärung finden, nehmen Sie sich ernst. Ihre Seele möchte Ihnen etwas zeigen.
Körper und Seele lügen nicht!
Was es letztendlich ist, findet man nur heraus, wenn man anfängt sich ernst zu nehmen.

Gerne Helfe ich Ihnen weiter, wenn Sie fragen zu der Thematik haben und unterstütze Sie darin geeignete Hilfe zu finden.
Sie dürfen sich ganz unverbindlich an mich wenden!

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