Verschiebe dich nicht auf später

Verschiebe-dich-nicht
Du bist wichtig!
Dein Leben hängt davon ab.
Das Leben von anderen hängt davon ab.
Also sorge für dich!
Jetzt.
Als erstes.
Nicht später.
Nicht irgendwann.
Dann sorgst du automatisch auch für alle anderen.

„Das habe ich losgelassen.“

„Und wo haben Sie’s hingeschickt!?“, frage ich interessiert nach.
Der Klient schaut mich verduzt an.
„Ich meine, wo haben Sie den verletzten Teil von sich hingeschickt, den Sie da „losgelassen“ haben?“
„Keine Ahnung.“, bekomme ich zur Antwort und schaue in ein etwas irritiertes Gesicht.
„Das ist schade.“, antworte ich, „Denn wenn der Teil noch da ist, dann werden wir ihn dringend für Ihre Heilung brauchen, weil er bislang nicht heil, sondern verdrängt ist, weil er nie wirklich mit seiner Botschaft beachtet wurde und immer nur weggehen sollte. Wenn er wirklich nicht mehr da sein sollte, weil sie Ihn „losgelassen“, bzw. weggeschickt haben, dann wäre das im schamaninschen Sinne Seelenteilverlust und wir sollten uns dringend auf die Suche danach machen, dass sie diesen wichtigen Teil wieder integrieren und heilen können.“
Tränen rinnen über sein Gesicht.
„Ich sehe, der schmerzliche Teil ist gar nicht so weit weg, oder?“, sage ich sanft.
Tränenlaufen. Kopfschütteln.
Gemeinsame stille. Beisammen sein. Gehalten werden.
„Freut er sich denn, dass er gerade gesehen wurde und jetzt Beachtung bekommt?“, frage ich nach einer Weile.
„Irgendwie schon, ja.“, sagt mir sein tränenüberströmtes Gesicht mit einem leisen Lächeln.
Danach fangen wir an darüber zu sprechen und uns mit den unterschiedlichsten Hilfen gemeinsam auf den Weg der Heilung dieses Klienten und dem Schmerz in Ihm zu machen.

Schmerzliche Erfahrungen loszulassen geht ebenso wenig, wie wir Erfahrungen an sich auslöschen können. Die Dinge, die wir erlebt haben, sind passiert und brauchen einen Platz in unserem Leben. Das heißt aber auch nicht, dass wir für immer verzweifelt oder traurig sein müssen, auch wenn ein Ereignis noch so schlimm war! Wir können die Trauer, Wut, Verzweiflung und den Schmerz die ein Erlebnis ausmacht, nicht wegmachen, indem wir versuchen sie zu vergessen oder „nach vorne zu schauen“, wir können sie nur integrieren, ihnen Raum geben, das Erlebnis verstehen, einordnen und betrauern, so dass wir irgendwann damit gewachsen sind und neue Wege gehen. Es ist wichtig, dass das Alte seinen Platz in unserem Leben bekommt, um Raum für Neues zu eröffnen. Denn nur, wenn die Erfahrung ihren festen Platz hat, kann die Seele verstehen, dass sie vorbei ist.
Manchmal denkt man, dass das aber so unendlich viel Kraft kostet und man weiß gar nicht, ob man diese Kraft hat, den Schmerz auszuhalten ohne darunter völlig zusammenzubrechen. Ich möchte Ihnen Mut machen. Wenn Sie die Kraft dazu haben sich diese emotionalen Gewalten im Alltag vom Leib zu halten und bis jetzt überlebt haben, dann schaffen Sie es auch einmal wirklich hinzusehen und dafür die Kräfte, die sie bis dahin für die Beherrschung Ihrer Emotionen gebraucht haben endlich wieder frei für andere Dinge zur Verfügung zu haben. Und – Sie müssen da nicht alleine durch! Es gibt gute Hilfen und Rituale, die diesen Prozess beschleunigen und vereinfachen. Sanfte Methoden, die nicht überfluten. Dann ist es leichter.
Es lohnt sich!

Tränen sind für uns Menschen, wie Gießkannen für Blumen.
Wären sie nicht da, könnten wir nicht wachsen. Verweigert man einer Blume das Wasser, geht sie früher oder später daran zugrunde. Gießt man sie aber und erlaubt das „Regenwetter“, wie es kommt, schließt sie zwar Ihre Blüten zunächst und zieht nach innen, um sich zu schützen und von innen heraus zu wachsen. Die Kraft dieser „Regenzeit“ und des Wassers macht sie -gut genutzt – jedoch danach kräftiger und resistenter als vorher.

Das Eingangsbeispiel ist frei erzählt. Zwar kommen derartige Situationen bei meiner Arbeit als Heilerin durchaus so oder so ähnlich vor, dennoch bezieht sich der Text hier nicht auf eine spezifische Person oder Situation.

Heilung objektiv betrachtet

„Eigentlich ist das doch jetzt gar nicht so schlimm.“
Kennen tun wir das wahrscheinlich alle, wir fühlen uns hundeelend mit einem Erlebnis oder einer Situation und gleichzeitig sagt unser Verstand oder der Nachbar oder Freunde oder Familie oder alle zusammen dann, dass das doch alles eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie wir das gerade fühlen.
Und nun?
Und was, wenn die Gefühle entgegen aller Vernunft auch nach längerer Zeit einfach nicht besser werden wollen?
Wenn trotz allem „nach vorne Schauen“ der Schmerz und der Schock nicht locker lassen mag?
Was, wenn irgendwann nicht mehr nur die Seele trauern, sondern auch noch der Körper krank wird?
Und das obwohl doch eigentlich alles gar nicht so schlimm war!?

Als Heilerin interessiert mich die objektive Situation hinter Gefühlen herzlich wenig. Mich interessiert lediglich, wie meine Klienten ihre Situation wirklich sehen, fern von allen gesellschaftlichen Meinungen dazu. Das herauszufinden ist nicht immer ganz einfach, gerade, wenn schon viele Menschen Ihre Meinung zu einer Situation abgegeben haben. Heilungsprozesse sind immer subjektiv und individuell.

Unser Körper-Seele-Geistsystem ist zunächst nur dafür da unser eigenes Leben zu schützen, zu achten und zu ehren. Wir alle haben ganz eigenen Erfahrungen, eine ganz eigene Geschichte, einen eigenen Lebensplan und eine ganz eigene Sicht auf diese Welt, die aus unseren Erfahrungen einerseits und dem, was unsere Seele bereits mit auf diese Erde gebracht hat resultiert. Dem entsprechend reagieren wir auch auf neue Ereignisse in unserer Umwelt nicht objektiv sondern subjektiv, im Einklang mit dem inneren Wissen, wie wir etwas bewerten müssen, um uns selbst am besten, entwickeln, erhalten und schützen zu können. Wenn ein Gefühl nicht nachlässt, haben wir irgendetwas sehr wichtiges für uns selbst daran noch nicht verstanden.
Die Stimme und Botschaft unserer Seele, was zur Heilung nötig ist, hören wir über die Gefühle und Intuition. Wenn wir den Verstand oder die Meinung anderer überbewerten, knocken wir uns selber aus. K.O. Unser sonst so fähiges komplexes Selbsterhaltungs-, Heilungs- und Entwicklungssystem gerät ins Schleudern, weil die Kommunikations- und Verarbeitungswege blockiert sind.

Dazu kommt – Wir können nichts verarbeiten, was für uns nicht existiert.
Für uns existieren nur unsere eigenen Gefühle und nicht die Meinung anderer dazu.
Wenn wir Heilung versuchen indem wir uns den Bewertungen anderer angleichen, hören wir auf uns selbst zu heilen und versuchen stattdessen den Nachbarn, die Familie, die Freunde, die Gesellschaft etc. stellvertretend zu heilen oder anzunehmen. Doch das ist nicht unser eigener Weg und somit nicht existent, weil unsere eigene Seele nunmal anders fühlt und plant. Ein Außenstehender kann dich entweder genau so sehen und fühlen, wie du bist und fühlst und dich damit annehmen oder dich klein oder weg reden, weil auch er seiner Seele nicht zuhört und die großen „Kleinigkeiten“ bei sich selbst übersieht.

So oder so – es läuft drauf raus, dass du dich ernst nimmst, wenn du heilen willst. Mit allem. Von der unwichtigsten Kleinigkeit angefangen. Dann heilst du und die Umgebung heilt automatisch mit, wenn sie willig ist, weil sie bei dir sehen und lernen kann, wie es geht. Wer andere heilen will, muss bereit sein selbst zu heilen.
Wenn Kleinigkeiten für dich groß sind, dann weil es wichtig und richtig ist, dass sie für dich groß sind und Beachtung
brauchen.

Bestenfalls zeigt die Seele den Weg und der Verstand hilft dabei die Seele zu verstehen und die persönlich wichtigen Dinge in dieser Welt umzusetzen. Teamwork.
Heilung beginnt da, wo eigene Gefühle in den Alltag mit allen Facetten integriert und nicht mehr in Frage gestellt werden.
Heilung beginnt da, wo wirkliches Verständnis für sich selbst sein darf.